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Von der Dorfgaststätte zum Feldenkrais Zentrum

 

von Albert Velser, Vussem

 

Nach der Heirat von Heinrich Schneider aus Harzheim mit Mechtild Heinen aus Bergheim im Jahr 1864 ließen sich die Eheleute bald in Vussem nieder. Der Grund hierfür war sicherlich die Beziehung des Ehemannes zum Geburts- bzw. Herkunftsort seines Vaters. An der Hauptstraße, gegenüber der Abzweigung des Holzheimer Weges, erbauten sie sich ein landwirtschaftliches Anwesen. Beide waren wohl geschäftstüchtige Leute. Dies führte dazu, dass sie in ihrer Räumlichkeit auch bald eine Gaststätte sowie ein Kolonialwarengeschäft betrieben. Die Erlaubnis zum Betrieb einer Gaststätte erhielten sie spätestens im Jahr 1871. Kurz vor dem Tod von Heinrich Schneider im Jahr 1907 erlangte sein Sohn Franz Schneider die Erlaubnis zum Führen der Gastwirtschaft.

Familie Franz Schneider mit Nachbarn vor ihrem Anwesen um 1913

 

Zwischenzeitlich erfolgte auch eine Vergrößerung des Wohn- und Gaststättenbereiches. Auf dem vorstehenden Foto zeigt sich dies an dem Gebäudeteil mit den halbrunden Fensterbögen. Der Zugang zur Gaststätte war weiterhin durch das Holztor und dann durch den giebelseitigen Hauseingang. Mit der Erweiterung des Gaststättenbereiches musste aus statischen Gründen unweit vom Thekenbereich eine Stützsäule eingebaut werden. So kam es, dass die älteren Vussemer noch viele Jahre später erzählten, dass sie bei Tanzveranstaltungen „öm de Pool gedanz han“. Diese Säule steht noch heute und hat somit alle Umbaumaßnahmen überstanden. Die Schließung des Kolonialwarengeschäftes erfolgte um 1900 mit der Ansiedlung des Kaufmanns Adolf Hoffmann.

Kurz vor oder nach dem frühen Tod der Ehefrau des Franz Schneider, der Gertrud geb. Bayard im Jahr 1920 kam es zu einem Brand in dem Anwesen. Hiernach erhielt es das uns heute bekannte äußere Aussehen mit dem straßenseitigen Eingang.

Ab dem Jahr 1926 stand für die dörflichen Feste der neu errichtete große Saal zur Verfügung. Dies war sicherlich ein großer Fortschritt für das Gemeinschaftsleben im Ort.

Franz Schneider, der sich nicht mehr neu verheiratete, führte die Gaststätte und die Landwirtschaft mit seinen Kindern. In der NS Zeit wurde der Saal oftmals vom Reichsarbeitsdienst sowie dem Militär belegt. Nach dem Kriege und der Verheiratung seiner Kinder stellte Franz Schneider eine Haushälterin ein. Es war dies Margarethe (Gretche) Lessenich aus Schönau. Die Landwirtschaft wurde bald an die Familie  Dardenne aus Dreiborn verpachtet. Denen folgte die Familie Mostert und dann die Familie Emonds. Die Vereinsfeste und die Tanzveranstaltungen zur Kirmes und zum Margaretenfest wurden weiterhin in der Gaststätte bzw. im Saal durchgeführt. Nach dem Tod von Franz Schneider im Jahr 1960 führte der in Breitenbenden wohnende Sohn Josef Schneider bzw. dessen Familie den Gaststättenbetrieb. In dieser Zeit erfolgte auch eine kurze Verpachtung an eine Frau Birkenbusch aus Nemmenich. Im Jahr 1964 kam es zum Verkauf des kompletten Anwesens an die Eheleute Jakob und Therese Wüllenweber aus Höngen bei Aachen, die neuen Schwung ins Geschäft brachten. Es erfolgten aber zunächst Umbaumaßnahmen wie z.B. die Vergrößerung der Gaststätte, der Einbau einer Kegelbahn, wodurch der Saal eine Empore erhielt, auch musste die Toilettenanlage neugebaut werden. Am 1. Mai 1965 war die Eröffnung der Gaststätte, die sich fortan „Margaretenhof“ nannte. Die Gaststätte stellte sich der Zeit entsprechend als ein solider Landgasthof dar. Am Anfang der 70er Jahre verpachteten die „Wüllenwebers“ den Margarethenhof zunächst an das Ehepaar Jansen aus Nettersheim und dann an die Eheleute Liebetrau, die aus der Nähe von Rheinbach kamen.

Nach deren kurzer Pachtzeiten erfolgte die Teilung des Anwesens. Den Wohn- und Gaststättenbereich erwarben die Eheleute Werner und Christa Anklam aus Köln, die ab Juli 1973 die Gastwirtschaft führten.

 

Die zur ehemaligen Landwirtschaft gehörenden Gebäudeteile kaufte ein zugezogenes Ehepaar aus Bonn, das sich zum sogenannten „Gäßjen“ hin ein neues Wohnhaus erbaute.

Die Gaststätte „Margaretenhof“ Mitte der 1970er Jahre

 

Werner und Christa Anklam führten die Gaststätte 17 Jahre lang, ihren Möglichkeiten entsprechend mit viel Engagement. Im Jahr 1990 wurde der „Margaretenhof“ geschlossen und an einen Unternehmer aus Mechernich verkauft. Er veräußerte die erworbene Immobilie wiederum an eine kleine Personengruppe, deren Vorhaben es war, hier ein Feldenkrais-Seminarzentrum einzurichten. Es folgten großzügige Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen. Der Saal erhielt eine Vergrößerung auf ca. 300 qm Fläche, es wurden zudem eine Fußbodenheizung und ein Parkettboden eingebaut. Seine Ausstattung sowie die der weiteren Seminarräume wurde speziell für die Feldenkraisarbeit konzipiert.

 Foto: A. Velser

 

Feldenkraiszentrum „Das Haus“ im Jahr 2012

 

Das Seminarhaus, das in seiner Art einmalig auf der Welt ist, erhielt den Namen „Das Haus“. Seit 1992  werden hier Seminare durchgeführt, deren Teilnehmer, wie die KFZ-Kennzeichen verraten, aus vielen Teilen der Bundesrepublik und dem benachbarten Ausland anreisen.

Die Feldenkraismethode, benannt nach ihrem Begründer Moshe Feldenkrais, der 1984 verstarb, ist eine körperorientierte Lernmethode, anhand derer der Ausübende mehr über den eigenen Körper und seine Bewegungsmuster erfahren soll. Die Methode findet insbesondere in der Rehabilitation nach Verletzungen zur Wiedererlangung der vollen Mobilität und beim Abbau von fehlhaltungsbedingten Schmerzen Anwendung. Grundsätzlich können Menschen in den unterschiedlichs Lebenssituationen von diesem Konzept profitieren. Sie soll geistige und körperliche Frische bis ins hohe Alter erhalten helfen.

                                                             

 

Quellen:                Akte zur Gastwirtschaft im Stadtarchiv Mechernich

                               Chronik des Dorfes Vussem 1890 – 1990

                               Aufzeichnungen des Bearbeiters

                               Frau Karen Schmidt-Paas, Erkrath

                              

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